3 Stories, die mich nicht losließen und was ich dagegen machte // BOOK

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Ein Ende bedeutet immer Abschied von Dingen, die man liebt oder hasst. Manchmal tut ein Ende gut, doch meistens ist es mit Schmerzen verbunden. Der Abschluss eines Buches oder einer Serie kann genauso schmerzen sein wie der Abschied von einem Menschen. Ich weiß nicht, ob es jeder versteht, denn es ist per se nur ein Buch oder eine Serie. Es sind nur fiktive Charaktere, die eine Geschichte gestalten, doch für Manchen sind sie mehr als nur reine Erfindungsgabe.

Jedes Mal, wenn ich daran denke darüber zu erzählen, weiß ich, es wird mich nicht jeder verstehen. Und vielleicht auch mit Kopf schütteln das Blog wieder schließen. Heute will ich es trotzdem wagen.

Es gibt Bücher und Serien zu denen ich mich so verbunden fühle, dass ich im Kopf Teil dieser Welt bin. Ich wäre manchmal so gerne Charakter dieser Geschichten, beobachte sie mit Spannung, leide und freue mich mit ihnen. Ich bin Teil dieser Stories. Es sind meine Freunde und deren Feinde sind auch meine. Ich bin dabei, wenn sie Kriege kämpfen, sich verlieben, ich halte ihre Hand, wenn sie traurig sind. Vielleicht klinge ich an dieser Stelle, nun, etwas nicht richtig im Kopf, doch ich muss euch davon erzählen. Ich beende Bücher oder Serien nicht, weil ich kein Abschied nehmen will. Meine Trennungsängste, was bestimmte Geschichten angeht, sind so hoch, dass ich nicht einmal das Buch beenden kann.

Alle sieben Wellen.

So geht es mir auch mit Daniel Glattauers Buch „Alle sieben Wellen„. Ich glaube, die meisten kennen den todtraurigen Vorgänger „Gut gegen Nordwind“ nur allzu gut. Die Geschichte von Emmi Rothner und Leo Leike ohne Happy End hat mich so verstört zurückgelassen, dass ich danach einige Zeit nichts mehr lesen konnte. Das sind die wahren Bücher, meine Freunde! Eine Liebesgeschichte ohne guten Ausgang, das verträgt mein Herz nicht. Nun las ich den Nachfolger erst lange Zeit später, fast 2 Jahre lagen dazwischen. Ich glaube gelesen zu haben, dass viele Leser einen weiteren Band um diese Liebesgeschichte haben wollten. (Und vielleicht sogar ein Happy End.) So verstörend der erste Teil war, so aufwühlend war auch der zweite.
Doch ich kennen das Ende nicht. Nein, ich habe das Buch nie zu Ende gelesen. Es steht in meinem Regal und wartet, dass ich die letzten 50 Seiten beende. Dann heißt es aber Abschied nehmen und vielleicht enttäuscht zu werden. Ich gebe es zu, davor habe ich am meisten Angst. Ich will nicht, dass sich alles auflöst, obwohl ich es so hoffe. Aber trotzdem möchte ich das Buch beenden. Die Angst ist größer als das schlechte Gewissen. Denn, wenn ich die letzten Seiten nicht gelesen habe, kann ich immer noch in diese Geschichte zurückkehren. Loslassen von zwei Menschen, die so viel in mir angestellt haben, ist für mich unmöglich. Es sträubt sich jede Faser meines Körpers das Buch in die Hand zu nehmen. Und so steht es mit all den Klebezetteln im Regal und wartet auf den Tag, an dem ich die Geschichte von Emmi und Leo abschließe und beide zur Ruhe lege.
Und was mache ich dagegen? Ich habe mir fest vorgenommen dieses Buch noch dieses Jahr zu beenden. Ein Mahnung steht es direkt neben der Couch im Regal und tadelt mich es zu lesen. Ich werde es loslassen, denn – so vermute ich – wird es ein gutes Ende geben. Das haben sich Emmi und Leo einfach verdient. Freunden muss das das Glück im Leben gönnen.

Harry, mein Abenteuer-Ich.

Es gibt nur eine handvoll Geschichten, die zu diesem engen Kreis an „Freunden“ zähle. Eine Buch-Reihe, die mich meine Kindheit und Jugend begleitet ist Harry Potter. Ich spreche hier vielen direkt aus dem Herzen, wenn ich sage, dass es geschmerzt hat, wenn man erkannte: Es wird kein weiteres Buch geben. Wir sind mit Harry, Ron und Hermine erwachsen geworden. Haben Kämpfe gefochten, gegen das Böse gekämpft, uns verliebt, Liebende verabschiedet, Freunde gefunden, gegen Ängste und Zweifel gestellt und so viel Freunde erlebt. Ein bisschen pathetisch ist diese Aufzählung schon, aber seien wir mal ehrlich, es ist so. Ich weiß nicht, ob das noch einmal solch eine Buchreihe bei mir auslösen kann. Vielleicht liegt es an den Charaktere und deren Alter. Man wuchs mit ihnen auf. Sie gehörten ins Buchregal wie keine andere Geschichte. Sie erklärte uns Werte, was gut und böse ist. Als der letzte Film ins Kino kam und nach der Vorstellung das Licht anging, wurde mir erst klar, dass ich nun Abschied nahm. Es gibt kein „Erstes Mal“ mehr nach Hogwarts zu reisen mit dem Jungen, der unter der Treppe aufgewachsen ist. Als Dobby starb hat es mir das Herz zerrissen, als Dumbledore ging, mussten wir kämpfen. Irgendwann noch einmal das gleiche Gefühl zu haben Harry Potter ein erstes Mal lesen zu können, ihr wisst nicht, was ich dafür alles geben würde. Bis jetzt kam keine weitere Buchreihe daran.
Und was mache ich nun? Ich sehe sie als Teil meiner Freunde an, als Teil meines Lebens. Ich besuche sie immer gerne, schwelge mit ihnen in Erinnerungen über ihre Abenteuer. Es fühlt sich wie zu Hause an, wenn wir gemeinsam durch die große Halle laufen. Ich bin versöhnlich mit dem Ende geworden.

Die beste WG der Welt.

Nicht nur Bücher machen das mit mir. Auch Serien haben den gleichen Effekt auf mich. In „Friends“ fand ich eine Clique, die ganz großartig war. So viele verschiedene Charaktere, die mit all ihren Macken sich doch liebten und für einander da waren. Die letzte Staffel habe ich genau einmal gesehen. Und das ist eine Ewigkeit her. Ich will und werde diese Serie innerlich nicht beenden. Als da Appartment so leer stand, weinte ich. Diese lila Wände haben mir 10 Staffeln ein Zuhause gegeben. Die Witze verstand ich vielleicht nicht alle, da ich noch recht jung war. Aber ich wünschte mir genauso zu leben, wenn ich erwachsen bin. Diese WG hat mich bei all ihren teils skurrilen Lebensabschnitten mitgenommen. Wir haben Liebeskummer erlebt, wir haben uns verliebt, wir waren mal böse aufeinander und uns wieder vertragen, sogar Kinder haben wir zusammen aufwachsen gesehen. Ich glaube, so eine Serie würde jetzt nicht mehr funktionieren. Alles geht zu schnell, das Angebot ist zu groß. Das gleiche Gefühl hatte ich übrigens zu Beginn auch bei Grey’s Anatomy. Doch je wirrer die Geschichte wurde und immer mehr geliebte Menschen starben, wollte ich nicht mehr. Nach dem 9. Staffel bin ich dann ausgestiegen.
Und was mache ich nun? Ich weiß, das Leben ist keine Soap, aber manchmal wünschte man sich das schon. Aus der Serie Friends bin ich zwar herausgewachsen, aber ich denke immer noch an schöne Momente zurück und ganz nach Joey „How you doin?“.

 

5 Comments

  1. avatar 30. Juli 2015 / 19:56

    Liebe Laura,
    ich verstehe Dich nur zu gut, mir geht es ganz genauso!!!
    Liebe Grüße
    Karina

  2. avatar 4. August 2015 / 19:57

    Hach, wie Harry Potter kann ich dir wirklich nur zustimmen! Dieses erste Entdecken, immer weiter Eintauchen in den Harry-Potter-Kosmos, auf das neueste Buch hinfiebern, sämtliche Infos aufsaugen und sich völlig darin verlieren… war das schön!!
    Freu mich, dass ich deinen Blog entdeckt hab :)

    Liebe Grüße
    Anna

    • avatar
      Laura
      4. August 2015 / 22:42

      Liebe Anna,
      ich freue mich sehr über deinen Kommentar. Ach Harry Potter berührt einfach das Herz. Diesen Monat fange ich das erste Mal die Reihe auf englisch an. Auch noch einmal ein ganz anderes Erlebnis. :)

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