Am Meer die Ruhe | What a Week // KW 2

Am Meer die Ruhe | What a Week // KW 2

Ein Wesen regt sich leicht und ungezügelt: Aus Wolkendecke, Nebel, Regenschauer erhebt sie uns, mit ihr, durch sie beflügelt. Ihr kennt sie wohl, sie schwärmt durch alle Zonen – ein Flügelschlag – und hinter uns Äonen!

Urworte, orphisch (Hoffnung) – Johann Wolfgang von Goethe

So wie hier Goethe die Hoffnung beschreibt, die uns auf ihre Flügel nimmt und davon trägt, so ist es für mich die See, die mir das wiedergibt, was ich so lange vermisst habe: Die Ruhe.

Es ist tatsächlich schon eine Ewigkeit her – November um genau zu sein – als ich mir eine Woche “frei von allem” genommen habe, den Koffer gepackt und an die Nordsee gefahren bin. So schön auch diese Ruhe war, so bedrückend war sie auch. Wenn die Stille um dich herum lauter ist als jeder Gedanke, den du fassen magst. Die ersten Tage haben mir mehr Kraft gekostet als ich dachte. Zur Ruhe zu kommen ist schwerer als es sich anhört. Von der Hektik des Alltags getrieben, immer das Gefühl zu haben weiter zu müssen, noch mehr schaffen zu müssen und das Ende nicht sehen zu können, kann einen mehr belasten als man denkt.

IMG_6808

So bin ich die ersten Tage nervös durch den dicken Nebel geschritten und nur dumpf die Möwen schreien hören. Den Kopf abzuschalten ist ein größerer Kraftakt als immer im Fluss der Arbeit zu bleiben. Doch irgendwann hatte es mich erwischt: Ich ließ los. Ganz sanft kam die Stille über mich. Mein Körper und Geist, der die letzten Monate unter Strom stand, war endlich angekommen. Im Nebel, am Meer, am Strand, in der Ruhe.

Processed with VSCOcam with hb2 preset

In letzter Zeit vermisse ich dieses Gefühl wieder. Abends schlafe ich mit dem Gedanken “Was wird, wenn …” ein und wache damit auf. Es ist immer eine imaginäre To-Do Liste in meinem Kopf, die nach Beachtung verlangt. Der schiere Haufen an Dingen erschlägt mich, macht mich müde und handlungsunfähig. So türmen sich immer mehr Gedanken und Ängste vor mir auf bis alles wieder zusammenbricht. In solchen Situationen kann man sich nur zwischen zwei Seiten entscheiden: Entweder du machst weiter oder gibst auf. Die zweite Option scheint einfach, doch das Scheitern ist viel schwerer als das weitermachen, denn in der Spur kann man immer bleiben, gedrängt von der Welt um dich.

2016 wird kein einfaches Jahr. Es wird sich viel verändern und alles auf den Kopf stellen. Deswegen gab es nur einen Vorsatz für mich:

Finde deine Ruhe.

Und so treibt mich die Hoffnung auf die Lösung der Probleme, das Zerschneiden des Gordischen Knoten aller Problem. So schwinge ich also 2016 mein Schwert wie Alexander der Große und löse das Problem.

4 Kommentare

  1. avatar 30. Januar 2016 / 0:54

    Schön geschrieben :) und die Bilder erst *-*
    Kann dich verstehen. ich liebe die Ruhr am Meer und auch, wie schwer es ist, zu scheitern weiß ich. Deswegen kämpfe ich meistens, egal wie verzweifelt weiter.

    • avatar
      Laura
      31. Januar 2016 / 12:21

      Danke meine Liebe. <3
      Ich glaube, es ist die Schwierigkeit den Mittelweg zu finden. Ganz kompromisslos kann man an seine "innere Ruhe" wohl nicht herangehen. Ich habe mir geschworen jetzt immer ein wenig Auszeit nur für mich zu nehmen. Und egal wie viel Arbeit sich da türmt, ich muss mal raus. Das tut uns allen gut.
      Übrigens, dein neues Blogprojekt ist wunderschön geworden. Der Header gefällt mir sehr. <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*