Du willst dein Leben endlich weiter planen, eine Wohnung suchen, eine neue Stadt für dich entdecken, Dinge tun. Einfach gesagt, ein Ziel haben. Doch da liegt das Problem: Du hast keins worauf du hinarbeiten kannst. Du weißt nicht, was du machen sollst, außer in das Chaos blicken, was du als deine Wohnung bezeichnest. Die 4 Wände, die dir halt geben sollen.

Ich war eine Weile weg und freute mich auf meine Wohnung, denn hier stehen meine Sachen. Meine Kleider, meine Küche, meine Bücher. Einfach alles, was ich bin. Das Gefühl hielt aber nicht lange und ich möchte schon wieder weg. Die Flucht anzutreten ist gar nicht so einfach, wenn man gebunden ist. Wenn man Geld verdient, weil man muss – und will. Vier Wände in einer falschen Stadt, die dunkel und erdrückend, unaufgeräumt und immer noch fremd wirken. Das ist das hier.

Seit Oktober 2012 wohne ich nun schon hier und bin immer noch nicht warm geworden.

Es stehen alle meine Möbel hier, aber so wirklich fügen sie sich zu keinem Bild. Es fühlt sich kalt an, als wäre dies hier eine Wohnung eines Fremden, doch aber nicht meine.

Ich habe keinen Drang etwas hier zu verändern, weil es keinen Sinn ergibt. Tatendrang und Elan in ein Projekt zu stecken, welches man nicht will, ist verschwendete Zeit. Also sitze ich nun in dieser verschwendeten Zeit, zwischen all den Kisten und so hinsortierten Dingen, die da nicht passen & warte. Warte auf ein Zeichen, auf eine eMail. Warte auf den Moment um wieder aufbrechen zu können. Hoffe auf ein neues Zuhause, was sich wie Heimat anfühlt.

Ist es nicht so, dass man die Tür aufmacht und Wärme spüren sollte? Für diesen – deinen – Ort. Mit Herzblut gestaltet, mit Freude jedes Mal zu betreten?

Ich kann es nicht abwarten endlich von hier zu verschwinden.

“Hast du das schon einmal probiert?”

“Ich weiß nicht.”

“Wie du weißt nicht?”

“Und wenn ichs nicht kann?”

“Dann hast du es halt probiert!”

Über das Können und Wollen geht es hier. Über das sich trauen und das Selbstverständnis keine Angst vor dem Scheitern zu haben.

Das, was mir fehlt.

 

“Ich mach das nicht. Ich trau mich nicht.”

Selbstschutz vor dem Herren.

 

Es ist nicht böse gemeint, ich will kein Spielverderber sein. Ich hab nur Angst, dass ich es nicht kann. Ich blamiere mich. Alle schmunzeln oder – viel schlimmer – zeigen mit dem Finger auf mich.

 

Es geht aber auch um das Können und das Wollen. Am Wollen scheitert es nie. Ich will ja, aber ich kann es nicht.

 

Wenn ich etwas nicht kann, dann macht es mir Angst.

 

So ist der elendige Kreislauf des “Nicht-Können-Wollens”.

Ich fand heute beim Aufräumen meines Kleiderschranks eine Hose. Nun, das ist nichts Neues. Jeder hat wohl mindestens eine Hose. Doch diese Hose zeigt, was mit einem Menschen so passieren kann. Sie steht für mich für Veränderung und eine immer wiederkehrende Frage.

 Dieses ominöse Stück Kleidung trug ich letzten Sommer aus Alternativlosigkeit. Weil einfach nichts mehr passte und es so sein musste. Es ist eine dunkelblaue Sommerhose, auch Chino genannt, mit einem Bändchen zum Binden. Im Allgemeinen sollte sie locker an Beinen und Bund sitzen, aber wie schon gesagt, sie passte gerade so. Heute, knapp ein Jahr später nach ihrem Kauf, zog ich sie wieder an. Ich fühlte mich wie in einem Sack. Egal wie fest ich oben zog und das Band zuknotete, sie passte einfach nicht. Sie war viel zu groß. Die Beine schlabberten, sie war zu lang und unförmig.

Wer jetzt glaubt, ich sei stolz auf mich in diesem Moment gewesen, der irrt sich. Es schockierte mich zutiefst.

Ich konnte es nicht fassen, was ich mit mir veranstaltet habe.

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Eine kurze Anmerkung zu Beginn: Es ist spät und mich quält seit einigen Stunden wieder einmal die furchtbare Angst loszulassen. Das ist das Resümee des letzten Jahres. 

Ich bin Meisterin des Selbstbetrugs. Ich kann mich komplett aussichtslose Situationen noch schön rosig reden und gar nicht merken wie verfahren die Situation ist. Wenn ich will, dann schaffe ich es mich immer selbst zu Motivieren, denn Aufgeben gibt es nicht. Aufgeben hat immer etwas mit Verlieren zu tun.

Man resigniert in seinem Handeln, überdenkt alles noch einmal und kommt dann auf die richtige Lösung. Das ist erwachsenes Handeln: etwas Aufgeben um neue Dinge zu bekommen. Genau das kann ich nicht. Loslassen und Aufgeben sind für mich ein verlorener Krieg, meist ende ich dabei als Opfer. Opfer von mir selbst. Niemand tut mir etwas an, sondern nur ich. Für mich fühlt sich ein Moment des Aufgebens an als würde man mir ein Stück meines Körpers amputieren. Oder eine Sache aus meinen Händen reißen, die für mich die Welt bedeutet. Es löst in mir körperliche Schmerzen hervor. Mein Atmen schlägt in Panik um und Tränen fließen. Diese Momente unterdrücke ich wieder gekonnt mit meiner geheimen Superkraft: Ich bin Selbstbetrugs-Girl mit der Power des Sich Tatsachen schönredens. Doch gerade bin ich dabei etwas aufzugeben.

Aufgeben bereitet mir schlaflose Nächte, Leere im Magen, Panik im Herzen und viele trostlos vollgeschnäuzte Taschentücher. Oder der leere Blick an die Wand und das Gedankenkarussell.

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