Der soziale Druck in mir

Sozialer_Druck
In den letzten Tagen habe ich ein unfreiwilliges Experiment gemacht, es zeigte mir wie hoch der soziale Druck ist, der auf meinen Schultern lastet. Es ist ein kleiner Appell und ein Erklärungsversuch.

Sozialer Kontakt ist wie ein Hürdenlauf

Es laugt mich aus. Sozialer Kontakt ist wie ein Hürdenlauf, der schier nicht enden will. Nein, es heißt nicht, ich mag keine Menschen, sondern eher: Sie strengen mich an. In der Öffentlichkeit sein, präsent zu sein und immer wohlgefallend Konversation zu halten ist tatsächlich sehr anstrengend für mich. Es bedarf Energie, die viele Menschen auf andere Dinge in ihrem Leben kanalisieren. Für mich ist sozial zu sein ein Druck, der auf meinen Schultern lastet. Es ist wie ein Leistungssport, der alles von dir abverlangt. Rede mit den Menschen, sei aufmerksam und verkrieche dich ja nicht in deinen eigenen Gedanken. Schweife nicht ab und blende alles aus, sondern bleibe mitten drin im Geschehen. Reagiere auf dein Umfeld und sei nicht so harsch.

Ich weiß nicht, ob sich jemand, der kein introvertierter Mensch ist, vorstellen kann, aber sozial sein laugt den Geist und Körper aus. Es heißt nicht, dass wir es nicht brauchen. Der Unterschied zwischen einsam und allein ist ein großer. Ich bin gerne allein, weiß aber, dass ich nicht einsam bin, denn es gibt Menschen, die mir viel bedeuten. Die – wie schön man so sagt – da sind. Doch auch diese Menschen bedeuten für mich Willensstärke sozial zu sein. Es heißt nicht immer nur passiv im Miteinander zu stehen, doch ab einem gewissen Punkt muss es die Möglichkeit geben zum Beobachter zu werden, statt die Konversation in Gang zu halten. So wohne ich gerne dem Geschehen bei, bin Gast und beobachte. Lache mit den Menschen und fühle mit. Jedoch bedeutet jede Interaktion einen – mal mehr oder weniger hohen – Kraftaufwand, es lässt meinen Energiebalken schrumpfen.

Wie ich schon schrieb: Ich bin gerne allein, aber nicht einsam. Nur ich in meinen vier Wänden mit meinen Gedanken und Ruhe um mich herum; das, was vielen Menschen Angst macht, ist für mich der rettende Hafen meines Tages. Das Gefühl hinter mir die Tür meiner Wohnung schließen zu können befriedigt mich ungemein. Ich plane mein Ressourcen an Mitmenschenenergie sehr sorgsam und schaffe mir Zeit um diese wieder aufzuladen. Doch gerade wird diese Ruhephase zur Mangelware. Studium, Arbeit und Sozialleben verbrauchen jegliche ersparte Kraft, sondern lassen mir auch kaum Zeit diese wieder zu laden.

In solchen Zeiten macht mir der Zwang immer auf Abruf bereit stehen zu müssen viel Angst. In der letzten Woche setzte ich mein Handy unter Wasser, was – für mein Konto und Leben – Segen und Fluch zugleich war. Es kostete mich viel Geld, aber gab mir auch ein bisschen innere Ruhe wieder. Nach fast einer Woche holte ich es nun aus der Reparatur ab und ja, ich gebe zu, ich drückte mich ein bisschen vor dem Druck, der da wieder auf mich zukommt.

Bitte melde dich, irgendwann

Es tut mir leid, wenn ich mich nicht bei euch melde. Ihr seid mir wichtig, doch ich kann nicht immer. Sozialer Kontakt erfordert sogar in der schriftlichen Form für mich so viel Willenskraft, es löst bei mir schier körperliche Schmerzen aus. Es tut mir leid und ich weiß, es werden bestimmt bessere Zeiten kommen.

Doch gerade fühle ich mich wie ein Enttäuschung: Für mich, für andere. Immer allen gerecht werden zu wollen ist eine der größten Schwächen, die ich habe und so gehe ich manchen Konflikten einfach aus dem Weg, entgehe der Erklärungsnot. Ich kann es nur noch einmal wiederholen: Ich melde mich bestimmt, es ist derzeit nur nicht so einfach.

Gebt mir bitte Zeit.

10 Comments

  1. avatar
    Marianne
    4. Februar 2016 / 1:51

    Etwas das mir immer wieder auffällt ist, dass du dich an dem Erfolg deiner Social Media Kanälen misst. Ich folge dir schon länger und ich lese viele deiner Tweets gerne, ich freue mich mit dir wenn gutes passiert und bin getroffen wenn es dir nicht so gut geht. Jetzt wo ich das hier lese erinnere ich mich an die vielen Tweets in denen du dich über entfolgungen beschwerst und es gibt einem das Gefühl als wäre diese Zahl die dort unter deinem Account steht etwas das dir Selbstwertgefühl gibt. Ich weiß nicht ob das ein Faktor in dem Druck ist den du hier beschreibst, aber ich bin sicher das eine der Hürden ist, dass du dich von einer unbedeutenden Zahl abhängig machst, die mal steigt und mal sinkt und am Ende nicht darüber aussagt was für ein Mensch du bist. Ich finde dich toll. Introvertiert zu sein bedeutet auch sich bewusst auf die Dinge zu konzentrieren die einem gut tun und sich davon abhängig zu machen, was eine interpretierbare graue Zahl wohl über einen aussagen könnte ist niemals gut. Ich wünsche dir alles Gute. Bleib wie du bist.

    • avatar
      Laura
      4. Februar 2016 / 11:01

      Liebe Marianne,

      nein, an meine Followerzahl bei Twitter habe ich bis jetzt nie gedacht. Sie löst bei mir keinen Druck aus zu gefallen. Es ist eher ein netter Nebenanreiz für meine „Arbeit“ und Ideen, die ich habe. Es ist doch das gleiche Spiel wie auf diesem Blog: Je mehr Leute dich lesen, desto schöner ist es. Diese „Arbeit“ (leider fällt mir kein anderer Begriff dazu ein, denn Geld verdiene ich nicht) macht mir Freude. Die Interaktion mit Menschen, die ich tatsächlich näher kenne, die mein Privatleben bestimmt, das macht mir Sorge. Twitter kann ich tatsächlich ausschalten und ausblenden. Doch auch da gibt es Menschen, die ich durch die fast 7 Jahre bei Twitter persönlich kennengelernt habe, da ist der Druck zu antworten höher, aber nicht hoch.
      Über meine Followerzahl – und im Vergleich zu anderen ist diese gering – beschwere ich mich nur selten. Dieser Tweet, den ich vor einer Weile abgesetzt habe, zielte auf ein paar sehr prägnante Entfolgungen von Menschen, die ich seit einer langen Zeit kenne und schätze. Das wurde aber „hinter den Kulissen“ geklärt. Ich glaube, mir persönlich ist meine Followerzahl nicht wichtig, sonst würde ich Dinge unternehmen, anders twittern, denn sie ist seit 3 Jahren konstant und ändert sich wenig.

  2. avatar 4. Februar 2016 / 16:07

    Alle Zeit der Welt,

    liebe Laura. <3

    Ich verstehe Dich sehr gut! Deine Worte sind so ehrlich und offen. Gut, dass Du sie aufgeschrieben hast. Sie spiegeln in großen Teilen das wieder, was mir in eben jene zu fassen immer sehr schwer fällt.

    Danke für diesen Artikel.

    Kuss aus Hamburg

    • avatar
      Laura
      4. Februar 2016 / 16:17

      Liebe Anne,
      es erwärmt mir mein Herz von dir zu hören.
      Gestern Nacht türmten sich Gedanken bei mir auf, die ich blitzartig in diesem Post entladen musste. Es ist für mich tatsächlich erschreckend, dass sich so viele Menschen angesprochen fühlen. Bei Twitter, via eMail haben mich heute einige Nachrichten erreicht von Personen, die ich für die kommunikativen Typen im Leben halte. So kann man sich wundern und merken, auch andere brauchen Kraft dafür. <3

  3. avatar 4. Februar 2016 / 19:10

    Liebe Laura,

    genau wie es mein Herz erwärmt, diesen Kommentar von Dir zu lesen. Ähnlich erging es mir auch bei Dir. Das Kommunikative betreffend. Man sieht mal wieder, wie das Internet das Bild verzerrt, das man sich von den Menschen macht.

    Ich habe schon so viele Menschen über das Netz kennengelernt, die ich noch nie getroffen habe, mit denen ich mich schreibender Weise aber immer wieder austausche. Wäre interessant zu erfahren, wie vielen von Ihnen es dabei ähnlich geht.

    Ich wünsche Dir alle Kraft, die Du brauchst! <3

  4. avatar 6. Februar 2016 / 8:01

    Liebe Laura,
    was für ein toller Text! Ganz viel „Hut ab“ von mir dafür, dass du ihn geschrieben hast, weil das sicher nicht ganz leicht war… ich kenne es auch, dass ich auf einer Party als erste gehen muss, dass es mich stresst an fünf von sieben Wochentagen verabredet zu sein und dass ich manchmal einfach alleine sein muss.
    Gut, dass du diese Gefühle mal aufgeschrieben hast und dass sie hier stehen.
    Ich hoffe, du findest die Zeit und alle deine Liebsten haben Verständnis dafür, dass du sie brauchst.
    Liebe Grüße,
    Kathi

    • avatar
      Laura
      7. Februar 2016 / 15:18

      Liebe Kathi,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, die Woche mit all ihren Verabredungen kann schon sehr anstrengend sein.
      Ich halte meinen Freundeskreis klein und fein und weiß, wann ich mich verabreden kann und wann nicht. Ich glaube, die meisten Menschen in meinem Umfeld verstehen mich da sehr gut. Es hat nur lange gedauert bis ich(!) gemerkt habe, dass ich nicht komisch bin, sondern einfach genau solche „Alleinzeiten“ für mich brauche.

  5. avatar 27. Februar 2016 / 14:10

    Hallo liebe Laura :-)
    Ich habe deinen Post sehr interessiert gelesen und finde ihn toll!
    Ich persönlich kommuniziere sehr gerne, aber ich finde es sehr anstrengend, wenn „reale“ Freunde mir schreiben und direkt eine Antwort erwarten. In dieser Hinsicht bin ich sehr schlecht und brauche mitunter Tage, um zu antworten. Deswegen kann ich dich da gut verstehen! Es stresst mich total, immer schnell antworten zu müssen. Aber ich nehme mir einfach die Zeit und meine engen Freunde wissen das und wenn sie etwas wichtiges wollen, rufen sie eben an. Ich finde, Menschen, die einen lieben, sollten akzeptieren, dass man so ist, und hoffe, dass deine Lieben dies auch tun.
    Viele Grüße!
    Jessy

    • avatar
      Laura
      11. März 2016 / 19:05

      Liebe Jessy,
      vielen Dank für deinen Kommentar. :)
      Ich glaube, mein Freundeskreis habe ich ganz gut ausgewählt. Sie wissen, wann ich meine Zeit brauche und verstehen das. Natürlich gibt es viele Menschen, die sich durch mein Verhalten vor den Kopf gestoßen fühlen. Aber diese Menschen möchten nicht in meinem Leben sein und ich sie auch nicht in meinem Leben halten.

      Laura

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