Die Perfektion des Bloggens

Sarah J. Maas Throne of Glass

Etwas zu erschaffen bedarf einen gewissen Drang zur Perfektion, doch beim Bloggen kann das recht hinderlich sein. Ich thematisierte ja schon seit einiger Zeit auf Twitter meinen Wunsch wieder zu Bloggen, aber die fehlende Zeit dafür macht es schwer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die bloglose Zeit neigt sich dem Ende zu und ich habe Bedenken, ob ich jemals wieder einen Draht dazu finden werde. Nicht, dass es mir an Ideen mangelt, es ist eher die Umsetzung, die mir Sorge bereitet.

Wenn man sich in letzter Zeit die Bloglandschaft betrachtet, dann sieht man ein einheitliches Bild von klaren, hochwertigen Blogs, die durch cleane Bilder glänzen und alles bis zum Minimalismus designt haben. Ich will mich bei dieser Entwicklung gar nicht herausnehmen, denn betrachten wir einmal diese Seite: Sie ist weiß, das Logo ist schwarz, die Bilder blogger-like blass und hell arrangiert. Das Niveau ist extrem hoch geworden. Früher machte man Bilder mit dem, was man hatte, heute gibt es Softboxen und drapierte Hintergründe. Alles wirkt sehr professionell, auch wenn nicht als Hauptberuf gebloggt wird. Doch auch alles wirkt wie im Gleichklang erschaffen. Natürlich will dieser Entwicklung keiner hinterherstehen. Gefühlt ziehen alle nach und so gleicht sich die Bloglandschaft immer wieder mehr an. Meine Angst vorm bloggen teilt sich in zwei große Kategorien.

Erstens.

Kann ich wirklich mit all dieser Entwicklungen mithalten? Kann ich noch so bloggen wie früher? Früher bloggen heißt bei mir mit Liebe gestaltete Blogger Designs in GIMP, weil man sich mit Photoshop nicht auskannte, die aber viel Persönlichkeit offenbarten. Fotos wurden maximal mit der kleinen Digitalkamera geschossen, die sonst nur den jährlichen Urlaub und Familienfeiern dokumentierte. Es war kein Drang sich zu professionalisieren. Heute sieht das ganz anders aus. So viele Social Media Kanäle sind zu bedienen, jeder bloggt über die gleichen Dinge – Bücher – und am besten möchte man von allem etwas abhaben. Die Rivalität zwischen Bloggern steigt immer mehr. So mein Eindruck.
Bloggen war für mich früher eine Leidenschaft, ich habe es für mich getan und sehr gerne gelesen, weil alle gleich waren und niemand daraus ein Geschäft machen wollte. Ich habe Angst im Wust der Blogger unterzugehen, denn mithalten möchte man doch auch. Irgendwie.

Zweitens.

Kann ich den Standard noch bedienen? Ich möchte in dem, was ich mache – auch wenn ich es nicht bin – professionell agieren. Es soll dem entsprechen, was Standard ist, denn auch mit viel Kritik: Ja, es ist schön. Habe ich genug Talent inne um genau das zu zeigen, was ich mir vorstelle? Die Ansprüche, die ich so oft an mich stelle, sind so hoch. Nicht nur beim Bloggen habe ich Angst sie überhaupt zu erreichen. Gefühlt scheitere ich an mir sehr oft oder das Ergebnis ist nicht das, was ich angestrebt habe. Und darum mache ich gar nichts. Ich verweile mit meinen Ideen im Kopf und hoffe, dass niemand mein Scheitern bemerkt in dem, was ich noch nicht begonnen habe. Paradox, doch in der eigenen Gedankenwelt ist dies für mich einer der schlimmsten Zustände. Es ist die Perfektion, die mich vom Bloggen abhält. Auch fällt es mir bei diesem Texte sehr schwer ihn zu schreiben, denn die Angst, nicht alles so verständlich zu machen, ist groß. Gleichzeitig ist es wichtig genau solche Angst vor der Perfektion zu überwinden und sich darauf zu besinnen, was wichtig ist. Es macht mir Spaß zu schreiben und mit Worten auszudrücken, was ich empfinde. Es gibt kaum ein schöneres und zugleich schwierigeres Medium als Worte.

Processed with VSCOcam with hb1 preset

Pinterest-like gestilte Bilder, aufgereiht und schön gemacht. Aber nur ein Ausschnitt.

Und so schreibe ich hier an diesem Text mit der Gewissheit, dass ich bald wieder mehr Zeit und auch Mut in diesen Blog einbringen möchte. Mehr von mir, weniger von anderen übernommen. Ich will mich überwinden. Andere mit ins Boot holen und vielleicht so zu dem werden, was in meinem Kopf herumspukt. Ich plädiere wieder für Zeit, die wir doch zur Genüge haben und so wenig nutzen. Also nehme ich sie mir auch hier und schreibe daran, die perfektionierte Angst vorm Bloggen zu überwinden. Es ist schwer immer das zu tun, was man will. Doch wo als im eigenen Blog ist es, all das zu realisieren? Es ist die eigene Fläche für Gestaltung und eigene Entfaltung, die wir so mannigfaltig nutzen können.

5 Comments

  1. avatar 12. März 2016 / 12:17

    Word. Toller Beitrag! Die Gedanken gehen mir auch immer wieder durch den Kopf. Hat mich teilweise sogar richtig frustriert, denn ich bin wahrlich keine talentierte Fotografin, und neben all den top gestylten Bildern fühlt man sich dann auf einmal ganz klein und „nicht-klick-würdig“. Mittlerweile sehe ich das aber schon gelassener. Auf meinem Blog ist es nicht perfekt, aber dafür vielleicht doch wenigstens etwas bequem. Und für mich reicht das … (fürs Erste?! ;).

    • avatar
      Laura
      12. März 2016 / 12:28

      So empfinde ich das auch sehr oft. Einmal die Angst nicht gelesen zu werden, obwohl man es ja in erster Linie für sich selbst tut und auf der anderen Seite der Gedanke, dass es doch so gut ist, denn das repräsentiert ja auch einen selbst.
      Wie kommst du über deinen Frust hinüber? Ich brauch da noch Hausmittel.

  2. avatar 13. März 2016 / 9:02

    Alles sehr verständlich. Wirklich!

    Versuch doch vielleicht den selbstgemachten Druck mit dem zu ersetzen, was Dir Spaß macht. Es darf ruhig auch mal Quick n‘ Dirty sein. Das ist nicht automatisch unprofessionell, sondern vielleicht einfach nur persönlich und authentisch.

    Und ich bin mir sicher, dass das die Intention eines Blogs sein sollte.
    Wenn Du Bock hast, allen zu beweisen, dass Du auch in der Form mithalten kannst, dann mach das. Wenn es Dich ein anderes Mal vom Schreiben abhält, lass es.

    Es ist Dein Blog, Deine Spielwiese. Und er muss in erster Linie Dir Spaß machen. Sonst gibt es irgendwann keinen Blog mehr.

  3. avatar 13. März 2016 / 9:41

    Hallo Laura,

    ich blogge auch schon ein paar Jahre. Immer wieder auch mit längeren Pausen dazwischen. Dabei geht es mir gar nicht um die Perfektion der Beiträge, sondern viel mehr darum schöne Dinge aus meinem Alltag mit anderen zu teilen. Hin und wieder „style“ ich auch meine Bilder etwas auf, was ich aber eigentlich nur für mich tue, weil ich mich nach dem Veröffentlichen des Artikel über die schönen Bilder freue. Oft knipse ich Fotos auch nur mit dem Handy und lade sie unbearbeitet in den Artikel. Ganz egal ob sie ein wenig unterbelichtet oder verwackelt sind, that’s life.
    Viel mehr Gedanken mache ich mir über meinen Schreibstil. Und hinterfrage jedes Mal, ob sich meine Texte auch gut genug anhören. Von dieser Seite kann ich deine Sorge gut verstehen. Doch wir sollten uns einfach loslösen vom Perfektionismus, weil Blogs doch eigentlich das eigene Leben widerspiegeln sollten. Wollen wir wirklich immer aalglatte Fotosetting sehen? Mit macht es Spaß in den Alltag fremder Menschen blicken zu können, auch wenn auf dem Blog nicht alles super perfekt ausschaut.
    Mach auf jeden Fall weiter so, wie bisher. Ohne Druck (auch wenn das leicht gesagt ist).

    Viele Grüße
    Anne

  4. avatar 26. April 2016 / 21:56

    Hey :)

    Interessanter Beitrag…Ich selbst besitze ja vom Design her einen bunten Blog. Also bin ich weit weg von der weißen Professionalität. Denke das ist auch gut so. Vielleicht habe ich auch daher ein recht entspanntes Verhältnis zum Bloggen.
    Ich versuche mich selbst nicht unter Druck zu setzen, was aber nicht immer ganz einfach ist…denn wie in vielen anderen Dingen kommt der „Druck“ oder der „Streß“ in diesem Fall auch von außen. Man präsentiert sich ja und obwohl man schwört entspannt zu sein, will man doch ein wenig Anerkennung haben. Bei einer mittelmäßigen Laienspiel freuen sich die Laien ja auch über ihr Publikum. So freue ich mich natürlich über Beiträge und wenn man welche setzt und keine Resonanz bekommt, dann nagt das sofort an einem…obwohl man das ja gar nicht wollte.

    Ich würde mich jedenfalls freuen wieder öfters was von dir zu lesen :)

    LG Denise

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