Sie erzählen mir immer von Dingen. Und in meinem Kopf spielt ein viel zu lauter Film all ihre Erinnerungen ab.

Alle sind so unglaublich wach und unglaublich lebendig. Und tanzen und singen, leben so wahnsinnig viel. Mit allem, was sie haben. Und wenn sie hinfallen, dann stehen sie auf und rennen gleich weiter. So schnell sie können und mit vollem Elan, denn sie könnten da was verpassen.

Und überhaupt muss man immer IMMER, aber auch wirklich alles ALLES mitnehmen.

Ja nichts auslassen. Immer mit dem Kopf durch die Wand. Mit vollem Lachen und mit Neugier. Und wenn etwas kaputt geht, dann ist das so. Dann wird es vergessen, weil da kommen andere Dinge. Dinge, die viel besser sein werden. Hoffentlich. Bloß nicht festlegen, es gibt immer eine bessere Chance. Und die darf man doch nicht ungelebt lassen. Immer alles und ohne Erschöpfung.

Immer alles wollen, am besten auf einmal und mit einem Schlag. 

Ganz viel wach sein, wenig schlafen. Die Nächte zu Tagen machen und die Tage auch. Je lauter, desto besser. Je mehr Menschen, desto schöner. Bloß nicht untergehen und immer mitschwimmen, denn wer untergeht ist verloren. Kein Halt um zu atmen. Gehetzt durch das Leben, denn alles ist so bunt und schön und wir sind das auch.

Bitte halte an! Aus der Ferne beobachte ich bei eurem Rennen um euch selbst. Immer im Kreis, aber das spielt doch alles keine Rolle. Hastig laufen bis die Füße nicht mehr können. Tanzend in den Abgrund, aber mit Stil. 

Von ganz viel auf ganz wenig.
Von Rückzug auf volle Fahrt.
Von Menschen auf Einsamkeit.
Von Angst auf Glück. Und zurück.
Dazu sagt man immer so schön “emotionale Achterbahn” und mir fällt auch nichts besseres ein. Der Magen zieht sich zusammen und eine Masse fällt auf einen herab. Erdrückt dich fast. Nimmt dir jede Luft zum Atmen. Dein Herz zieht sich zusammen. Obwohl du laufen willst, weit weg, dort wohin deine Probleme dich nie erreichen, sitz du doch da. Weil du nicht kannst.
Ganz tief oder ganz gut.
Ganz hoch und ganz niedrig.
Von “voll gut” auf “alles bricht zusammen”.
Und dann diese Euphorie, die so über dich hereinbricht. In den Moment, die für dich die Welt bedeuten. In denen du alles schaffen kann. Der Knoten sich löst. Du schreist vor Freunde. Die sollen immer dableiben. Immer und überall. Mit jedem kleinen Funken deines Körpers willst du das spüren. Immer. Immer! Glücksgefühl ist wie eine Droge.
Aber eigentlich wünschst du dir etwas anderes. Etwas, was konstant bleibt. Innere Ruhe und Zufriedenheit. In dir ein ruhiges Meer mit kleinen Wellen, die am Strand anlaufen. Immer etwas ruhig, aber in Bewegung.
So redest du dir ein, dass alles gut wird. Alles in Ordnung bleibt. Mit ein bisschen Selbstbetrug kommt man über die schlimmen Zeiten hinweg. Und man wartet, dass die See ruhig wird.

Ein Glas Wein später fühle ich mich locker. Ein bisschen befreit. Und ich rauche. Immer eine nach der anderen. Der Rauch erreicht kaum meine Lungen. Es ist die Gewohnheit, die mich dazu treibt. Es ist die Gemütlichkeit, die mich hier im Stillen sitzen lässt.

Eigentlich ist es schon zu kalt und zu dunkel, so allein im Kerzenlicht auf dem Balkon. Doch es hat etwas Befreiendes, was man nicht in Worte fassen kann. Die Dunkelheit schickt Ruhe in meine Gedanken. Sie umhüllt einen und nimmt dich ein. Setzt sich wie ein guter Freund neben dich und legt eine Decke um deine Schultern. Schwer und geborgen.

Eigentlich könnte man immer so sitzen. Für immer in der Schwebe verbringen. Vielleicht wartet man auch bis das Licht wiederkommt.

Ich bin keiner dieser kühlen Mädchen, die taktierend mit der Liebe spielen. Die wissen, wann was zu sagen ist und welcher Blick jetzt dir entgegen geworfen wird. Die mit jedem Augenaufschlag wissen, was zu tun ist. Die alles auseinanderhalten können: Kopf, Herz, Bauch. Sie fahren die “Ist mir egal” Attitüde als Wesenszug.

So bin ich nicht. Ohne Herz und Kopf im Gewirr meines Bauchgefühls kann ich nicht. Ein Kuss bedeutet mir etwas. Meine Schwächen verstecke ich nicht, es wären eh viel zu viele. Ich bin eines dieser Mädchen, die immer Mädchen bleiben.

 

Du willst dein Leben endlich weiter planen, eine Wohnung suchen, eine neue Stadt für dich entdecken, Dinge tun. Einfach gesagt, ein Ziel haben. Doch da liegt das Problem: Du hast keins worauf du hinarbeiten kannst. Du weißt nicht, was du machen sollst, außer in das Chaos blicken, was du als deine Wohnung bezeichnest. Die 4 Wände, die dir halt geben sollen.

Ich war eine Weile weg und freute mich auf meine Wohnung, denn hier stehen meine Sachen. Meine Kleider, meine Küche, meine Bücher. Einfach alles, was ich bin. Das Gefühl hielt aber nicht lange und ich möchte schon wieder weg. Die Flucht anzutreten ist gar nicht so einfach, wenn man gebunden ist. Wenn man Geld verdient, weil man muss – und will. Vier Wände in einer falschen Stadt, die dunkel und erdrückend, unaufgeräumt und immer noch fremd wirken. Das ist das hier.

Seit Oktober 2012 wohne ich nun schon hier und bin immer noch nicht warm geworden.

Es stehen alle meine Möbel hier, aber so wirklich fügen sie sich zu keinem Bild. Es fühlt sich kalt an, als wäre dies hier eine Wohnung eines Fremden, doch aber nicht meine.

Ich habe keinen Drang etwas hier zu verändern, weil es keinen Sinn ergibt. Tatendrang und Elan in ein Projekt zu stecken, welches man nicht will, ist verschwendete Zeit. Also sitze ich nun in dieser verschwendeten Zeit, zwischen all den Kisten und so hinsortierten Dingen, die da nicht passen & warte. Warte auf ein Zeichen, auf eine eMail. Warte auf den Moment um wieder aufbrechen zu können. Hoffe auf ein neues Zuhause, was sich wie Heimat anfühlt.

Ist es nicht so, dass man die Tür aufmacht und Wärme spüren sollte? Für diesen – deinen – Ort. Mit Herzblut gestaltet, mit Freude jedes Mal zu betreten?

Ich kann es nicht abwarten endlich von hier zu verschwinden.