sport_001

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Ich dachte mir, ich möchte gerne einmal erklären warum ich überhaupt mit einer Ernährungsumstellung und Sport begonnen habe & warum ich mich mit jedem Tag besser fühle. Die ersten Gründe liegen schon auf der Hand. Ich möchte abnehmen. Jeder hat irgendwann in seinem Leben etwas an seinem Gewicht zu meckern und denkt sich, er hätte an gewissen Stellen viel zu viel und an anderen Stellen wieder viel zu wenig. Das heutige Schönheitsideal prägt unser Bild vom schlanken – manchmal zu schlanken – Menschen, der erfolgreich, schön und beliebt durchs Leben schreitet. Alleins einer Figur geschuldet. Dieses Bild ist aber trügerisch. Nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung kann sich wirklich am Ideal gemessen als schön bezeichnen. Jeder hat seinen Makel, der ihn wiederum speziell und anders macht. Und das macht einen Menschen attraktiv. Übergewicht gilt in unserer Gesellschaft als Mangel an Disziplin. Man gibt sich selbst auf und hat kein Ziel vor Augen. Bei allem anderen im Leben sind wir verschwenderisch und protzen mit dem, was wir haben. Geht es um unserer Aussehen ist weniger Gewicht immer mehr.

 Ich habe mein Leben lang schon unter einem schwankenden Gewicht gelitten. Ich war dick, dünner, dicker und dann immer immer wieder dicker. Ich habe nicht die Ausgewogenheit an Essen gelernt wie andere Kinder. Ich war lieber zu Hause und habe mich dadurch weniger bewegt. Mit der Pubertät kam der Frust und ich aß noch mehr. Dann habe ich wieder gar nichts gegessen. So ging das Spiel mein Leben lang. Ich habe meine erste Diät mit 12 gemacht, weil man wollte, dass ich doch so aussehe wie andere Kinder in meinem Alter. Ich weiß, das war gut gemeint, doch es hat mich immer mehr unter Druck gesetzt und ich bin daran gescheitert. Da ich nicht so sportlich war wie alle andere Klassenkameraden hatte ich immer mehr Angst vorm Schulsport und überhaupt Bewegung. Wer keine Leistung erbringt, der ist nichts. So war gefühlt der Leitsatz meiner Kindheit, Jugend und auch jetzt. Es hängt mir immer noch nach. Ich entschied mich dann auf einem Gebiet wirklich gut zu werden & studierte das dann auch. Ich bin jetzt kein Überflieger, aber ich bin gut darin. Endlich in meinem Leben.

 Vor einem Jahr, nach viel Hin-und Her fing die gedankliche Wende an. Ich bin einmal quer durch die Republik gezogen, weit weg von meinem Elternhaus und auch ein bisschen weg aus meinem Alltagstrott. Ich habe einiges hinter mir gelassen und wollte wieder neu anfangen. Manchmal jedoch klappt das nicht wie man sich denkt. In den ersten Monaten und auch bis jetzt zweifle ich an meiner Entscheidung, denn im eigenen Trott zu bleiben ist weit angenehmer als sich zu verändern. Manchmal kann man sich jedoch Veränderungen nicht aussuchen und man durchlebt sie so wie sie kommen.

Ich fing im Mai an endlich auf mein Gewicht zu achten.

Es gabt so einige Gründe dafür.

 Der größte Grund war die Angst einmal im Alter krank zu werden. Bluthochdruck, den ich ansatzweise schon habe, Diabetes und überhaupt alle Krankheiten, die durch massives Übergewicht, was ich mir nun schon angefressen habe, verursacht wird. Ich wollte einfach nicht noch kränker werden als ich eh schon bin. Und es gab noch einen Grund, den ich mir selbst zu Beginn nicht eingestehen wollte.

 Ich wollte mich selbst wieder mögen. 

Mein Verhältnis zu mir selbst ist schon immer gestört gewesen. Ich mochte mich die meiste Zeit der Jugend nicht und schämte mich für mich selbst. Das tue ich auch immer noch für mich. Ich redete mir ein, dass ich Menschen nicht mochte und das sie mich genauso wenig mögen. Ich bin lieber zu Hause geblieben, denn ich ich hatte Angst vor den Blicken der Anderen. Das dicke Mädchen. Wie kann man so etwas mögen? Ich wirke arrogant aus Angst, dass man mir näher kommt. Ich wirke unsicher, weil ich es bin. Ich rede nicht mit Menschen, weil sie mir manchmal Angst machen. Ich fühle mich in mir selbst am wohlsten, denn da ist es sicher.

 Ja wie kann man mich mögen, wenn ich mich selbst gar nicht mag?

 Der Weg zu mir selbst ist lang und ich habe jeden Tag wieder einen kleinen Kampf in mir selbst ausgefechten. Ich muss mich „dem da draußen“ stellen und auf andere Menschen zugehen, denn sonst bin ich zwar mit mir, aber immer noch allein. Freunde finden ist für mich Schwerstarbeit. Ich habe jedes Mal Angst wieder weggestoßen zu werden, weil ich halt so bin wie ich bin. Meinen ersten sehr großen Schritt bin ich auch schon allein gegangen. Ich mache jetzt regelmäßig Sport und das mit voller Leidenschaft. Ich liebe es bis zur Erschöpfung zu schwitzen und am nächsten Tag das Ziehen in meinen Muskeln zu spüren. Erste Ergebnisse sieht man auf Waage und Körper schon. Ich mag mich selbst dafür, dass ich mich jedes Mal wieder überwinden kann, denn in mir sträubt es sich täglich. Ich kann aber nicht mehr zurück. Ich will nicht mehr zurück.

 Ich will mich endlich selbst mögen.