Vom Neid und Winter.

Winter

Neid ist per Definition eigentlich nur der Wunsch etwas zu besitzen, ob materiell oder emotional, was eine andere Person hat und einem selbst fehlt.

Es kann das große Auto sein, ein Haus oder das immer volle Konto. Es kann der Mensch sein, der eigentlich zu einem selbst gehören soll oder die Familie, die man will. Es können aber auch Gefühle sein, die man so schmerzlich vermisst.

Es wird Herbst. Der Mensch geht in den Überwinterungsmodus über. Man sagt ja, der Frühling ist die Jahreszeit, wenn alles erblüht und sich verliebt. Was über den Sommer gehalten hat, verweilt jetzt zusammen. Oder, wie in so vielen anderen Fällen, suchen sich die Menschen um gemeinsam zu überwintern. Überall Pärchen und Gekuschel. Überall Liebe und „gemeinsames Händchen halten“.

Dem, den das eigen ist, wird es nicht auffallen.  

Neid ist immer mit Missgunst verbunden, sagt man. Das stimmt aber nicht. Ich missgönne es niemanden. Im Gegenteil, ich freue mich für alle Herbstromantiker- und Liebenden. Ich will euch alle glücklich sehen, aber auch selbst nicht auf der Strecke bleiben. Was mich im Sommer oder Frühling nicht stört, macht mich im Winter traurig. Es reicht nicht nur, dass es eine per se depressive Jahreszeit ist, so ohne Sonnenlicht, langer Nacht und Kälte, sondern auch eine, die man nicht allein verbringen mag.

Und da hätten wir das Dilemma des Single Daseins. Gestern noch lobte ich es, denn obwohl ich schon eine Weile ‚allein‘ bin, geht es mir gut. Ich bin froh auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen, einfach Dinge zu tun, die man selbst will. Aber alles ‚allein‘ zu machen, ist auch nicht Sinn der Sache. Natürlich gibt es Freunde und die auch nicht zu knapp – dafür bin ich jeden Tag dankbar -, jedoch diese ersetzen nicht das Gefühl, was jemand dir bringt, der neben dir aufwacht, verschlafen dich anschaut und sich noch einmal mit dir umdreht. Der mit dir in den Pärchenüberwinterungsmodus verfällt.

Es ist kein Neid, der mich ergreift, es ist die Leere, die an mir nagt. Und darum kauft man sich ein weiteres Kissen, steht früh auf um Ablenkung zu finden und macht den Winter zum Frühling.

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1 Comment

  1. avatar 18. Oktober 2014 / 14:24

    Sehr schön ge- und beschrieben!!

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