Von einer Hose.

Ich fand heute beim Aufräumen meines Kleiderschranks eine Hose. Nun, das ist nichts Neues. Jeder hat wohl mindestens eine Hose. Doch diese Hose zeigt, was mit einem Menschen so passieren kann. Sie steht für mich für Veränderung und eine immer wiederkehrende Frage.

 Dieses ominöse Stück Kleidung trug ich letzten Sommer aus Alternativlosigkeit. Weil einfach nichts mehr passte und es so sein musste. Es ist eine dunkelblaue Sommerhose, auch Chino genannt, mit einem Bändchen zum Binden. Im Allgemeinen sollte sie locker an Beinen und Bund sitzen, aber wie schon gesagt, sie passte gerade so. Heute, knapp ein Jahr später nach ihrem Kauf, zog ich sie wieder an. Ich fühlte mich wie in einem Sack. Egal wie fest ich oben zog und das Band zuknotete, sie passte einfach nicht. Sie war viel zu groß. Die Beine schlabberten, sie war zu lang und unförmig.

Wer jetzt glaubt, ich sei stolz auf mich in diesem Moment gewesen, der irrt sich. Es schockierte mich zutiefst.

Ich konnte es nicht fassen, was ich mit mir veranstaltet habe.

Wie verzweifelt, wie traurig, wie krank war ich in den letzten 2 Jahren um mir das anzutun? Was hatte ich nur mit mir gemacht? Wie konnte ich in 2 Jahren bitte 16 Kilo zunehmen ohne wahrzunehmen, dass mein Körper und ich sich so verändert hatten? Was brachte mich dazu, dass ich so frustriert war und mich kaputt machte?

War ich wirklich so unglücklich?

Selbstbetrug und Verdrängung sind meine Stärken, das schrieb ich schon einmal. Trotzdem frage ich mich, wenn ich solche Dinge sehe, was mit mir passiert ist? Ich kann es einfach nicht fassen, was ich mir angetan habe ohne es zu merken. Kann man das schon als verletzendes Verhalten gegenüber sich selbst bezeichnen?

Dieser Text hat jetzt schon viel zu viele Fragezeichen, aber genauso sieht es aus. Ich stelle mir diese Fragen immer wieder und finde keine Antwort. Ich weiß auch nicht, was mich dazu brachte endgültig die Bremse zu ziehen. Irgendwann wollte ich mich nicht mehr unwohl fühlen und mich verstecken. Abwertende Blicke von Anderen kassieren, die es zu Hauf gab, und das Gefühl haben, dass sich andere für mich schämten, was sie auch taten.

Vor knapp einem Jahr (Anfang Juni 2013) fing ich dann an wieder auf mich zu achten. Aber trotzdem immer unglücklicher zu werden. Ein Jahr später weiß ich, was ich mir antat. Das Warum allerdings kenne ich nur ansatzweise. Ich schäme mich immer noch für mich selbst und ich denke, dass es andere tun. Ich mag immer noch nicht in die Öffentlichkeit gehen, weil ich den Blicken der Anderen nicht standhalten kann. Auch wenn sie gar nicht schauen. Aber es ist diese Gedankenspirale, die mich immer noch gefangen genommen hat. Ich arbeite hart an mir und vor allem an meinen Gedanken.

Trotzdem frage ich mich, warum ich mir das antat? Inzwischen stehen etwas mehr als 20 Kilo weniger auf der Waage. Andere freuen sich über solche Ergebnisse. Ich freue mich zwar auch, aber im selben Gedanken weiß ich, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Bis ich mich selbst und auch aus medizinischer Sicht je als normalgewichtig bezeichnen kann, weiß ich nicht. Und ich glaube, dass das auch nie passieren wird. Es ist traurig, dass ich nicht aus vollem Herzen stolz sein kann, sondern immer noch diesen gigantischen Berg vor mir sehe, der noch zu bewältigen ist.

Und so saß ich mit der Hose in meinen Händen auf dem Bett und fragte mich mal wieder: Warum ist das passiert? War ich wirklich so unglücklich?

Ein kleiner Nachtrag: Ich war heute mit Shirt und Rock bekleidet in der Öffentlichkeit. Keine Strickjacke oder Schal. Nichts, wo man sich dahinter verstecken kann. Das waren wohl die unangenehmste und gleichzeitig beste Stunde dieser Woche. 

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